Abenteuer Kanutour

Die Qualität einer Kanutour liegt in der Ruhe. Nichts entspannt wirkungsvoller als das leise Plätschern, die gleichmäßige Bewegung des Paddels und das sanfte Gleiten des Kanus über das Wasser. Für mich ist Paddeln Entschleunigung pur…

Lagerfeuer auf der KiesbankEntschleunigung? Damit können Sie Ihre Kinder so gar nicht hinter dem Computer hervorlocken, oder? Macht ja nichts, zum Glück ist eine Kanutour auch noch viel mehr: Plätze erforschen, die man nur vom Wasser erreichen kann, im Fluss oder im See baden, ein Lagerfeuer mit Würstchen und Stockbrot auf der Kiesbank und übernachten im Zelt direkt am Wasser. Kanutouren und ganz besonders das Kanuwandern sind auch ein echtes Kinder-Abenteuer. Deshalb haben wir auch in jedem unserer Tourenführer mindestens eine Paddeltour vorgeschlagen.

Kanu Biwak an der Dordogne

Kanubiwak an der Dordogne

Das Paddeln eines Kanus ist leicht zu erlernen und geeignete Ziele für Ihr persönliches Flussabenteuer gibt es sowohl direkt vor der Haustür, als auch in vielen beliebten Urlaubsländern. Ein Traumziel in Deutschland für Tagesfahrten und längere Kanuwanderungen sind die Mecklenburgischen Seen. Aber auch wenn Sie eher im Süden Deutschlands wohnen finden Sie in Ihrer Nähe sicher einen Fluss oder See mit Verleihstation. Perfekte Anfängerreviere mit guter Infrastruktur sind zum Beispiel Altmühl, Lahn oder Regen. Sehr gute Infos über viele einfach zu fahrende Kanu-Wanderflüsse in Deutschland finden Sie in der Reihe Kanu kompakt des Thomas Kettler Verlages. Mehrere spannende Tagestouren in Südfrankreich, die sich auch für Anfänger eignen, sind in unserem neuen Buch Im Tal der Dordogne beschrieben.

kanusaarfari

Teamwork im Boot: Schulausflug mit Kanusaarfari auf der Saar.

Eine Tour mit dem Kanu ist auch für Teenager eine spannende Sache und eignet sich sogar als mehrtägige Klassenfahrt. Kanu Saarfari in Schoden verleiht Kanus auf Saar und Mosel. Carola und Daniel Schulz begleiten aber auch Schulklassen auf einer Tagesfahrt und bieten eine geführte Wanderfahrt auf der Dordogne oder eine Kanureise nach Sardinien an. Das komplette Programm finden Sie unter www.kanusaarfari.de

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10 gute Tipps für eine gelungene Kanutour

1. Keine Passagiere an Bord:
Auch jüngere Kinder brauchen ein eigenes Paddel in der passenden Größe. Sie können dann mitpaddeln, solange die Energie reicht. Nur so sind sie wirklich aktiv beteiligt. Einfach nur Passagier sein, wird schnell langweilig.

2. Die Länge der Tour dem Alter der Kinder anpassen:
Kalkulieren Sie im Kanadier auf Gewässern ohne Strömung maximal 3 km pro Stunde. Mit kleineren Kindern reicht für den Anfang eine Strecke von maximal 10 km.

3. Pausen machen:
Je jünger Ihre Kinder sind, desto wichtiger sind regelmäßige Pausen an Land zum Toben und spielen. Während der Fahrt ist der Bewegungsradius stark eingeschränkt.

4. Proviant:
An einigen Kanurouten kann man auch einkehren. Erkundigen Sie sich vorher beim Verleih und stellen Sie sicher, dass der Gasthof auch geöffnet ist. Aber eigentlich ist es eh viel spannender, unterwegs einen besonderen Picknickplatz zu suchen. Alles was es dazu braucht kommt in die wasserdichte Packtonne, die Sie mit Ihrem Kanu ausleihen können.

5. Abenteuer planen:
Ein Grillfeuer auf der Kiesbank ist ein beliebter Höhepunkt jeder Kanutour. Holz sammeln und Feuer machen, ist der Inbegriff eines Outdoorabenteuers. Erkundigen Sie sich vorher ob und wo Feuer machen erlaubt ist. Ist ein Feuer zu aufwändig tut es zur Not auch mal der Einmalgrill. Der fährt dann aber selbstverständlich nach dem Einsatz im Kanu mit zum Ziel.

6. Das richtige Ziel:
Suchen Sie im Hochsommer ein Gewässer aus in dem man auch baden kann. Dann macht der Ausflug doppelt soviel Spaß. Badesachen nicht vergessen.

7. Richtige Kleidung:
Rechnen Sie immer damit, dass Sie mit den Füßen ins Wasser müssen. Zum Paddeln trägt man daher Schuhe, die nass werden dürfen. Bei uns haben sich Trekkingsandalen bewährt, flache Stoffturnschuhe oder Wasserschuhe sind ebenfalls möglich. Hosen sollte man zumindest hochkrempeln können. Ein Material dass schnell trocknet ist besser geeignet als eine Jeans.

8. Sonnenschutz:
Im Sommer unbedingt an einen gut sitzenden Sonnenhut und Sonnencreme denken. Auf dem Wasser ist die Sonneneinstrahlung besonders stark und im Boot können Sie der Sonne schlecht ausweichen.

9. Wechselkleidung:
Bei jedem Verleih bekommen Sie zu Ihrem Kanu eine wasserdichte Tonne. Neben Proviant und genug Trinkwasser gehört in die Tonne an kühleren Tagen auch Wechselkleidung und eine Jacke – auch wenn Sie ziemlich sicher nicht kentern werden.

10. Erste Hilfe Set:
Es gibt sie fertig in einer Tasche verpackt für Wanderer und Radler. Ein kleines Erste-Hilfe Set gehört zum Standard bei allen Outdooraktivitäten mit Kindern. Kindern müssen im Kanu außerdem eine Rettungsweste mit Kragen tragen. Genauere Informationen finden Sie beim Thema Sicherheit.


Kanadier oder Kajak?

Unter dem Begriff Kanu werden zwei Bootstypen zusammengefasst, die sich in der Fahrtechnik deutlich unterscheiden. Da gibt es einmal den Kanadier, ein oben offenes schmales Boot mit flachen Sitzbänken. Er wird am besten von mindestens zwei Personen mit dem Stechpaddel gefahren. Indianerfans unter den Kids kennen diesen Bootstyp bestimmt. Das flache, oben geschlossene Kajak, welches man mit einem Doppelpaddel steuert, kommt dagegen aus der Tradition der Eskimos.

kanu Kini

Mit Kanu Kini auf dem Forggensee bei Füssen: In einem Kanadier findet die ganz Familie Platz.

Ein Kanadier ist gemütlicher als ein Kajak. Er hat mehr Gewicht und ist bei gleichem Krafteinsatz langsamer. Dafür liegt er ziemlich stabil im Wasser, ist unkompliziert in der Handhabung und für längere Fahrten einfach zu beladen. Hier findet eine ganze Familie Platz in einem Boot, was Kosten spart und Spaß macht. Etwas schwieriger ist am Anfang die Paddeltechnik. Das Lenken und das mühelose Geradeausfahren mit dem Stechpaddel ist nicht schwierig zu erlernen, braucht aber ein bisschen Grundwissen. Bei seinen Schnuppertouren auf dem Forggensee erklärt und zeigt Uwe Simniok von der Kanustation Kanu-Kini in Füssen die wichtigsten Techniken bevor die Gruppe zur Fahrt in den Sonnenuntergang startet. Die Paddeltour in den Sonnenuntergang finden Sie übrigens als Tour 24 im Buch Mit Kindern im Allgäu.

Mecklenburgische Seen

Sicherer Platz im Zweierkajak

Der Sitz eines Kajaks befindet sich in einer Luke im Bootskörper, was auch das charakteristische Fahrgefühl ausmacht: man sitzt fast im Wasser. Der Einstieg erfordert deutlich mehr Sportlichkeit als im Kanadier. Kajaks sind leicht und kippelig. Dafür ist ein Kajak leicht zu lenken, bietet dem Wind wenig Widerstand und ist damit ein flottes Gefährt auf  strömungsfreien Gewässern und Seen. Vor allem die langen schmalen Wanderkajaks mit Steueranlage fahren sich auf Seen auch bei leichtem Wind noch vorzüglich. Auf Flüssen kommen kürzere Bootstypen zum Einsatz. Jüngere Kinder platziert man gut und sicher im vorderen Sitz eines Zweierkajaks. Die allerersten Erfahrungen im Kajak sollten Eltern jedoch besser ohne Kinder im Boot sammeln. Kanutour Mecklenburgische SeenEs gibt auch spezielle Kajaks für Kinder, die für die Größeren ab etwa 8-10 Jahren natürlich spannender sind als der sichere Platz zwischen Mama und Papa. Wir hatten auf unserer ersten längeren Familien-Wanderfahrt auf den mecklenburgischen Seen zusätzlich zum Kanadier ein Kajak dabei. Ursprünglich war die Idee die Kids im eigenen Boot nicht zu überfordern und den Platz im Kanadier abwechselnd zum Ausruhen zur Verfügung zu stellen. Es war aber selbst bei Gegenwind auf dem See keine Frage – der Platz im Kajak war deutlich beliebter.


Die wichtigsten Sicherheitsregeln für Kanuten

Kanu fahren ist ein ungefährlicher Sport, wenn man wenige Sicherheitsregeln beachtet und sich nicht überfordert. Kanustationen werden vorrangig an Flüssen eingerichtet, die sich auch für Anfänger eignen. An den Verleihstationen bekommen Sie auch alle notwendigen Informationen über die Strecke und eine kurze Einführung in die Paddeltechnik. Wer es genauer wissen möchte, beginnt seine Karriere als Paddler mit einem Kanukurs.

1. Das beste Revier für Anfänger sind Flüsse mit wenig Strömung.

2. Wenn Sie ihr Boot bei einer Kanustation leihen, dürfen Kinder meist erst ab 6 Jahren mit aufs Wasser. Wie alle Insassen eines Kanus, müssen sie sicher schwimmen können. Zusätzlich brauchen Kinder eine ohnmachtssichere Rettungs­­­weste mit Kragen, die sorgfältig angepasst werden sollte.

Mit Kindern im Kanu

Kinder im Kanadier: Richtig ausgestattet mit Sonnenhut und Rettungsweste.

3. Nicht nur als Vorbildfunktion sollten auch die Erwachsenen ihre Schwimmwesten immer sicher geschlossen tragen – auch wenn das machmal albern erscheint. Sollten Sie unerwartet doch einmal kentern, haben Sie so die Hände frei, um Ihre Kinder zu unterstützen, die Paddel festzuhalten und das Boot an Land zu bringen.

4. Wer auf größeren Seen kentert, muss mit dem Kanu zurück ans Land. Für Ungeübte ist es fast unmöglich im tiefen Wasser zurück ins Boot zu klettern. Gehen Sie auf Seen also kein Risiko ein und bleiben Sie bei Wind und Wellen an Land oder halten sich strikt in Ufernähe.

5. Das Befahren von Flüssen mit starker Strömung und das Paddeln auf dem Meer braucht besondere Kenntnisse und bleibt fortgeschrittenen Kanuten vorbehalten.

6. Fragen Sie beim Buchen eines Leihkanus gezielt nach passender Ausrüstung für Kinder. Wichtig sind Rettungswesten und Paddel in Kindergröße.

7. Erfragen Sie an der Station auch immer, ob es Stellen gibt, an denen besondere Aufmerksamkeit nötig ist. Auf einigen Flüssen müssen Wehre umtragen oder über Bootsrutschen umfahren werden. An den Mecklenburgischen Seen gibt es mehrere Schleusen, die man auch mit Kanu passieren darf.

Bootsrutsche an der Altmühl

Rasante Fahrt: Bootsrutsche an der Altmühl

8. Sollte Sie der Kanuvirus erwischen und Sie sind später einmal im eigenen Boot unterwegs, ist es unumgänglich vor jeder Fahrt Informationen über das Gewässer einzuholen, das man befahren möchte. Geeignete Informationsquellen sind aktuelle Kanubücher oder einschlägige Seiten im Internet.