Mit Kindern auf Abenteuer-Reisen

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Vor gut einem Jahr flatterte mir ein Manuskript auf den Tisch. Ich habe mich schnell festgelesen. Und so hat sich der Naturzeit Verlag dieses Jahr in ein neues Genre gewagt: »Alles bleibt anders« ist ein Erlebnisbericht und es geht um das Reisen mit Kindern.

Die Geschichte beginnt auf dem Sofa, mit einem kugelrunden Bauch und der Frage  »Was wird sich ändern, wenn wir Eltern sind?«

Wenige Wochen später sind die Stockmanns glücklich zu dritt, knapp zwei Jahre später macht Töchterchen Joana die Familie komplett und, nein, es bleibt nicht alles wie es ist. Nicht nur im Alltag, denn darum geht es hier nur am Rande. Die Eltern, Regina und Lars, lieben das Reisen und unterwegs sein in möglichst in wilder Natur. Abseits der Zivilisation, in Stille und Einsamkeit, jeden Tag ein Stückchen weiter ziehen, draußen übernachten, Neues sehen und Abenteuer erleben. Diese Art zu reisen, möchten sie auch als Eltern nicht aufgeben. Geht das? Und was sagen wohl die Kinder dazu?

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Das Buch berichtet von den ersten Familientouren im selbst ausgebauten Campingbus mit kleinen und ­gro­ßen Katastrophen, Glücks­­­momenten und Aha-Erlebnissen – und von ersten Wanderversuchen mit zwei kleinen Kindern. Es ist nicht alles »easy«, aber die Familie rauft sich zusammen. Und so wagen die Stockmanns die ersten mehrtägigen Wanderungen von Hütte zu Hütte – in Norwegen, dem wilden Val Grande oder später sogar in Südafrika, erforschen mit dem Kanu einen naturbelassenen Abschnitt der Loire oder auf dem Dromedar die marokkanische Wüste…

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Das Buch ist kein Ratgeber und hilft doch ganz persönliche Lösungen zu finden, wenn nicht alles so klappen will, wie die Eltern sich das gerade vorstellen. Vor allem macht es aber Lust und Mut zum Reisen und dazu die eigenen Träume nicht zurückzustellen, sondern als Familienteam immer wieder den passenden Weg zu finden.

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Hier gibt es einen »Blick ins Buch« und die Möglichkeit direkt beim Verlag zu bestellen. »Alles bleibt anders« bekommen Sie aber auch überall im Buchhandel:

Regina Stockmann, Alles bleibt anders
ISBN 978-3-944378-12-1, €15,90
Naturzeit Verlag

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Wandern im Winter: Urwaldpfad am Ammersee

Der Münchner Familienblog »Die Outdoorzwerge« sammelt die besten Familien-Winterwanderungen und hat uns eingeladen mitzumachen. Das hier ist unserer Beitrag: die Naturzeit-Winterwander-Lieblingstour. 

An kurzen Wintertagen mögen wir Wanderungen zu denen man nicht allzu weit fahren muss. Ein echtes Lieblingsziel liegt dabei am Ostufer des Ammersees:

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Von Stegen führt der Sieben-Brückerl-Weg auf dem Hochufer zwischen uralten Laubbäumen und über sieben schmale Holzbrücken am See entlang bis nach Buch. Noch spannender als auf dem Waldweg oben am Hang ist es direkt unten am Wasser. Hier windet sich ein Pfad durch Büsche, knorrige Uferbäume und über zwei kleine Bäche und vermittelt echtes Urwaldfeeling. Im Winter bildet sich am Ufer schnell eine Eisschicht, da das Wasser hier ganz flach ist. So kann man schon recht früh über den See marschieren, ohne mehr als nasse Füße zu riskieren. Im flachen Wasser sammeln sich gerne Gänse und Enten, so dass es unterwegs eigentlich immer etwas zu entdecken gibt. Wenn dann tatsächlich Schnee fällt, kann man zum Abschluss der Wanderung am Badeplatz einen Schneemann bauen und sich anschließend im Seehaus Schreyegg bei einer heißen Schokolade wieder aufwärmen.

DSC_0033Die Wanderung im Detail:
So kommt ihr nach Stegen: Unsere Wintertour eignet sich besonders für Familien aus München und aus den Kreisen westlich der Stadt. Von München erreicht man Stegen einfach über die A96 (30km ab Pasing), Ausfahrt Inning am Ammersee und dann gleich wieder rechts nach Stegen abbiegen.

Die Wanderstrecke: Läuft man am Wasser bis zu den ersten Häusern von Buch und kehrt oben am Hang auf dem Sieben-Brückerl-Weg zurück nach Stegen sind das gut 3,5 Kilometer und ihr seid je nach Alter eurer Kinder etwa 1,5 bis 2 Stunden unterwegs. Anschließend eignet sich das Badeufer in Stegen prima zum spielen und wenn es nicht zu kalt ist, lockt am Wegbeginn ein toller Kletterbaum.

Startpunkt ist der Parkplatz am Bootsanleger in Stegen. Hier geht es am Biergarten des Gasthof Schreyegg vorbei und am Seeufer entlang bis zu den hölzernen Bootshäusern am Ende der Bucht. Dahinter steigen wir zum See hinunter und wandern immer am Kiesufer entlang bis nur noch ein schmaler Pfad weiterführt. Auch wenn es erstmal so aussieht: der Weg verliert sich nicht im Unterholz, sondern führt bis zu den ersten Häusern des Ortes Buch. Hier steigt man dann hinauf und läuft links auf dem Sieben-Brückerl-Weg oben am Hang zurück nach Stegen. Direkt am Stegener Ende des Waldweges steht links am Weg der bereits erwähnte Kletterbaum.

Vorsicht Hochwasser: Bei besonders hohem Wasserstand, zum Beispiel zur Schneeschmelze, stehen die Kiesbänke unter Wasser und nur der Weg oben am Hang bleibt passierbar. Auch beim Testlauf am letzten Wochenende haben wir uns am Beginn des Weges hinter dem langen Steg feuchte Füße geholt. Man kann die matschigen Wegpassagen aber umgehen, indem man erst an der langen grünen Metalltreppe vom Sieben-Brückerl-Weg zum See hinunter steigt.

Urwaldpfad und Sieben-Brückerl-Weg im Sommer:

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Unsere Urwaldtour hat übrigens auch im Frühjahr und Sommer ihre besonderen Qualitäten: von April bis Oktober fahren die Ausflugsboote über den See. Dann kann man bis zum Bootsanleger in Buch (3km) oder Breitbrunn (5,5 km) weiterlaufen und von dort aus mit dem Ammersee-Dampfer zurück nach Stegen fahren. Den Fahrplan findet ihr unter http://www.seenschifffahrt.de. Am Gasthaus Schreyegg in Stegen gibt es außerdem einen der letzten richtigen Biergärten am See: An den Biertischen neben dem Wirtsgarten kann man auch die eigene Brotzeit mitbringen.

Hier findet Ihr auch die anderen Wandervorschläge.

 


Mit Kindern in die Berge – Eine Einführung für Einsteiger

Kinder und Wandern? Passt das wirklich zusammen? Der Ehrgeiz, einen Gipfel zu erreichen, ist den meisten Kindern fremd und die wenigsten begeistern sich für das Laufen an sich. Aber für die Faszination, weit über der gewohnten Welt zu stehen, im Blick nur Natur und Berge, sind auch Kinder empfänglich. Und wenn sie dann noch die Natur als Spielplatz entdecken, haben auch Kinder Spass an Ausflügen in die Berge. Wenn schon wandern, dann wollen Kinder dabei toben, klettern und alles bestaunen, was rechts und links am Wegrand wächst oder krabbelt. Dafür muss natürlich genügend Zeit eingeplant werden. Die ersten Touren sollten daher eher kurz sein. Als Ziel eignet sich ein Platz, an dem man gut spielen kann – das wird erstmal selten der von Erwachsenen anvisierte Berggipfel sein. Eine Almhütte mit Tieren, ein Berggasthof oder ein See- oder Bachufer sind da schon viel besser. Ein Kletterfelsen oder ein Kletterbaum am Wegrand sind reizvolle Zwischenziele. Mit dem tollen Blick vom Gipfel lockt man erst die Größeren…

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Von Altersgruppen und Gehzeiten

Kinder in der Kraxe
Wandern ohne selbst zu laufen

Kinder unter drei Jahren können im Tragesack oder einer Kraxe mitgenommen werden. Die Länge der Strec­ken richtet sich dann nach der Kondition des Kraxen­trägers. Kinder, die in der Kraxe transportiert werden, müssen bereits sicher über längere Zeit frei sitzen. Für größere Touren sollten sie mindestens ein Jahr alt sein.

Die Kraxe selbst muss dem Kind genug Halt geben, sonst hängt es, wenn es einschläft, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Eine gute Kraxe hat, wie ein Tourenrucksack, einen gepolsterten Hüftgurt für den Träger, damit das Gewicht nicht an den Schultern hängt. Inzwischen gibt es sogar Exem­plare mit Sonnen- und Regendach, was durchaus sinn­voll ist. Da sich die Kinder in ihrem luftigen Sitz nicht bewegen können, kühlen sie schnell aus. Denken Sie an Handschuhe und warm verpackte Füße im Frühjahr und Herbst. An heißen Tagen müssen sie gut vor der Sonne geschützt werden. Regelmäßige Pausen sorgen für Abwechs­lung: Eine Almwiese oder ein flaches Bach- oder Seeufer, an dem auch die Kleinsten gefahrlos spielen können, sind hier geeignete Ziele. Ein paar große Stein­blöcke zum Klettern machen auch schon Zwei-oder Dreijährigen viel Spaß.

FrillenseewanderungAltersgruppe 1 (4-6 Jahre)
Geduld und kurze Beine

Etwa ab vier Jahren laufen Kinder längere Strecken am Stück. Sie sind in diesem Alter sehr leicht ablenkbar. An jeder Ecke gibt es etwas Interessantes zu sehen und vorwärts geht es nur sehr langsam. Für die Kraxe sind sie inzwischen zu schwer – tragen kann man sie nur noch kurze Stücke. Das Einzige, was hilft, ist viel Ge­duld. Touren sollten nicht mehr als 1 bis 1,5 Stunden reine Gehzeit haben – mit den Kleinen brauchen Sie mindestens doppelt so lange, so dass schnell eine vollwertige Halb­tages­tour daraus wird.

sara_BaumAltersgruppe 2 (7-9 Jahre)
Abenteuerspielplatz Natur

In der Altersgruppe 2 – den Kindern im Grundschulalter – sind die Unterschiede in Tem­po und Ausdauer besonders groß. Laufzeiten für Er­wach­sene sollten immer noch um die Hälfte erhöht werden, um eine realistische Vorstel­lung vom Zeitaufwand zu haben. Mit der Zeit werden Sie dabei ein Gefühl für das individuelle Tempo Ihrer Familie entwickeln.

Kinder, die schon Berg­erfahrung mitbringen und von Natur aus bewegungsfreudig sind, schaffen teilweise schon ganz erstaunliche Touren. Für Eltern, die mit ihren Grund­schul­­­kindern die ersten Berg­touren planen, kann das aber kein Massstab sein. Auch hier sind erst mal kür­zere Wan­derungen angesagt. Maximal 2-3 Stun­den Gehzeit, davon höchstens 1 Stunde bergauf, sind ein guter Anfang.

Viele Pausen und viel Zeit zum Spielen, sowie ein spannendes Ziel sind bei der Planung besonders wichtig. Kinder in diesem Alter spielen meist besonders phantasievoll und lassen sich von der passenden Umgebung leicht anregen. Schon ein Bach weckt Ideen – vor allem wenn mehrere Kinder beisammen sind. An einem Kletter­felsen kann man ohne Gefahr die ersten Kraxel­versuche machen und eine Über­nachtung in einer Berg­hütte gehört zu den besonderen Höhepunkten. Gerade Kinder dieser Alters­gruppe laufen viel lieber auf schmalen Pfaden, die nach Aben­teuer riechen und die Fan­­tasie anregen, als auf breiten Schotterwegen. Mit der Schulreife entsteht auch ein Bewusstsein für Gefahren, so dass man beginnen kann, Bergpfade mit kurzen, anspruchsvolleren Pas­sagen zu laufen.

Altersgruppe 3 (10-13 Jahre)
Mitplanen statt Mitlaufen

Nicht nur die Beine sind länger geworden, auch Kraft und Ausdauer der Großen reichen langsam an die eines Erwach­senen heran. Nach und nach entwachsen sie dem Spiel- und Tobealter. Haben sie schon Bergerfah­rung gesammelt, sind sie jetzt sicher genug für Touren mit kleinen Klettereinlagen oder für aufregende Wege mit Seilsiche­rungen und Weitblick. Auch für einen tollen Gipfelblick kann man sie inzwischen begeistern. Touren mit 1-2 Stunden Aufstieg sollten auch mit weniger erfahrenen Junioren machbar sein. Die Moti­vation ist meist eher der springende Punkt: Kinder dieser Altersgruppe sollte man deshalb auf jeden Fall an der Planung beteiligen und mitreden lassen. Unter­wegs finden viele es spannend, Karte zu lesen, den Weg zu suchen, Ent­fernungen einzuschätzen oder vielleicht selbst zu fotografieren – je nachdem, wo bei den Kindern die Inte­ressen liegen… Die Geh­zeiten unterscheiden sich kaum von denen Erwachsener – nur etwas mehr Zeit für Pausen sollte man weiterhin einplanen.


Altersgerechte Tourenplanung

7Huetten4Von breiten Wegen und schmalen Pfaden
Schaut man auf die Touris­musseiten der Bergorte, verlaufen die empfohlenen Fami­­lienrouten oft möglichst eben auf breiten Schotter­wegen, damit auch wirklich nichts passieren kann. Natürlich ist man auf solchen Wegen besonders sicher – spannend ist so eine Wande­rung allerdings nicht. Beson­ders Kinder langweilen sich auf geraden Forst­straßen und geschotterten Fahrwegen – ein schmaler gewundener Pfad dagegen weckt schnell neue Lebensgeister. Auch steinige Passagen, an denen man richtig klettern kann, kleine Treppchen oder enge Durch­gänge zwischen Fel­sen sprechen Spieltrieb und Phan­tasie an und sorgen für Begeisterung. Manche dieser  schmaleren Wege sind gefahrlos auch mit jüngeren Kin­dern zu begehen, oft gibt es auf Bergpfaden aber auch ris­kan­tere Stellen, an denen das Laufen Aufmerksamkeit braucht. Vor allem am Anfang müssen die Eltern wach dabei bleiben und dafür sorgen, dass zu wagemutige Aben­teurer sich nicht in Gefahr bringen.

Kinder im Kindergartenalter sind noch nicht in der Lage, solche Gefahren einzuschätzen. An Wege, die am Hang entlang gehen und dabei auch erste leicht ausgesetzte Stel­len haben (enge Bereiche, an denen es an einer Seite steil hinuntergeht), kann man Kinder ab dem Grund­schul­alter heranführen. Es braucht dabei in etwa dieselben Fähig­keiten, die ein Kind dazu qualifizieren, sich im Straßen­verkehr zurecht­zufinden. Beo­bachten Sie unterwegs, wie sich die Kinder verhalten und erklären Sie, wo man aufpassen muss und warum… Die ersten Versuche macht man dabei auf Touren mit kurzen schwierigeren Pas­sa­gen. Strecken, auf denen man über längere Zeit wirklich konzentriert laufen muss, sollte man frühestens mit Kindern ab 8 bis 10 Jahren gehen.

Steineberg10Trittsicher und schwindelfrei?

Trittsicher und schwindelfrei ist die Standardformulierung für die notwendigen Fähig­keiten, die von einem Wan­derer erwartet werden, wenn er sich auf Wege mit alpinem An­spruch wagt. Trittsicher, weil ein Fehltritt zu einem Unfall führen könnte. Bei Kindern geht es hierbei einerseits um Geschicklichkeit, andererseits aber auch um die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeit­raum auf den Weg zu konzentrieren und sich der Situation ent­sprechend vernünftig zu verhalten. So läuft man zum Bei­spiel an Steil­hängen vor­­­­sichtig und tritt keine Steine los, die auf einem abschüssigen Serpen­tinen­pfad weiter unten laufende Wanderer in Gefahr bringen können.

Wie weit man schwindelfrei ist, muss man meist erst testen. Bei manchen führt schon ein schmaler, an einer Seite abschüssiger Pfad zu Schwin­delgefühlen, bei anderen erst ein steil abfallender Hang am Gipfel oder ein schmaler Grat­weg, und der nächste bleibt völlig unberührt, egal was kommt. Schwindel­gefühle und Angst sind immer ernst zu nehmen – wer am Berg seine Ängste übergeht, bringt sich und andere in Gefahr. Im Zweifels­fall lässt man den Aufstieg auf einen Gipfel einfach bleiben – egal ob ein Kind überfordert ist oder ein Erwachsener!

Oft verändert sich das Em­pfin­den von Schwindel auch mit wachsender Erfahrung. Eine sehr gute Möglichkeit, sich selbst an Höhe und Abgründe zu gewöhnen und Sicherheit zu gewinnen, ist ein Kletterkurs oder der Be­such eines Hochseilgartens. Hier kann man die Anforde­rungen langsam und völlig ohne Risiko steigern und Spaß macht es auch noch.

Höhenmeter und Gehzeiten

Für Kilometerangaben hat man normalerweise im Laufe eines Lebens ein ungefähres Zeit­ver­­ständnis entwickelt – aber wie sieht das mit den Höhen­metern aus? Um ein Gefühl für diese erstmal recht abstrakte Zahl zu entwickeln, braucht es Erfahrung oder einen Anhalts­­­punkt. Etwa 3-4 km schafft man in normalem Lauf­tempo in der Ebene. Geht es bergauf, kalkuliert man maximal 300 – 400 Höhen­meter in einer Stunde. Wobei es, wenn das so hinkommen soll, schon ganz ordentlich hinaufgeht. Auf­stiege unter 200 Höhen­­metern werden die meisten recht unauffällig wegstecken. 400 Höhenmeter bedeuten schon einen recht anstrengenden Aufstieg, der vor allem untrainierte und jüngere Kinder ordentlich fordert.

Müheloses Bergaufgehen erfordert die richtige Technik. Langsam und gleichmäßig zu laufen – nur so schnell, dass man nicht außer Atem kommt – entspricht nicht unbedingt dem normalen kindlichen Be­we­gungsmuster und braucht ein bisschen Training. Hält man das gleichmäßig langsame Gehen durch, läuft man sich mit der Zeit (und wachsender Kondition) ein und kommt dann relativ mühelos den Berg hinauf. Trainierte, erfahrene Wanderer laufen oft lieber berg­­auf als bergab, wo der Schub der Be­wegung und das Körper­ge­wicht abgefangen wer­den müs­sen und die Gelenke belasten.

Gelenkschmerzen sind für Kin­der zum Glück unbekannt, so dass sie – wenn es nicht zu steil ist – mühelos dem Tal entgegen wandern. Berggewohn­ten Kindern zuzuschauen, wie sie, die Erwach­senen weit hinter sich lassend, den Berg hinunter sprin­gen, ist eine wahre Freu­de. Hat man selbst also keine größeren Probleme beim Bergab­gehen und entwickelt nicht den Ehrgeiz, die Kinder als »richtige« Wanderer zeitig ans bergaufgehen zu gewöhnen, kann man es sich auch ein wenig einfacher machen und den »Bergab­schwung« der Kinder für unbeschwerte Ausflüge nutzen. Für den Aufstieg braucht man dann allerdings eine Berg­bahn.

bergbahnMit der Seilbahn hinauf?

Eine Seilbahn verlegt unseren Startpunkt um einige Höhen­meter und bringt uns dahin, wo die Berge am schönsten sind. Hat man sich einmal ein Stück von der Bergstation entfernt, findet man hier meist schmale Berg­­­pfade, und der weite Blick über Berge, Berge und noch mal Berge verzaubert auch klei­nere Wanderer. Natürlich kann man mit einer Seilbahn ganz hinauf fah­ren und dann einfach wieder hinunterlaufen. Schöner ist es aber, oben zu bleiben und aus dem Gewim­mel an der Bergstation heraus in ruhigere Bereiche zu gehen und vielleicht auch noch ein Stück höher zu steigen. So kommt man mit einem Aufstieg von vielleicht 300-400m auch auf Gipfel mit alpinem Charakter.

Wo eine Bahn hochfährt, ist es natürlich voller als anderswo – das ist ein Nach­teil. Vor allem direkt um die Bergsta­tionen sind auch viele Spaziergänger unterwegs. Ein weiteres Manko ist der Preis. Für eine Familie ist so eine Fahrt fast eine kleine Inves­tition. Zwischen 30 und 50 Euro kostet eine Familienkarte für Berg- und Talfahrt mit einer Kabinenbahn. Der Tarif für Ses­­sel­lifte, die auf niedrigere – oft besonders kinderfreundliche – Berge am Alpenrand fahren, ist eher familienkompatibel und für Kin­der sogar besonders spannend.


Wandern mit dem Kinderwagen

KW-AllgaeuEin Wanderweg, den man mit dem Kinderwagen befahren kann, darf nicht zu steil sein und braucht glatten Untergrund. Wurzeln, Stufen, Engstellen oder dicke Steinblöcke – alles was einen Weg für laufende Kinder interessant werden lässt – macht Wege für Kinderwagen unpassierbar. Wer Kinder unter vier Jahren mit auf die Bergtouren in unseren Büchern nehmen möchte, braucht daher eine Kraxe. Nur das neue Buch über den Chiemgau bietet am flachen Seeufer eine gute Auswahl an Touren, die auch mit dem Kinderwagen oder einem Laufrad passierbar sind.

Weitere sorgfältig und persönlich vor Ort recherchierte Routen für Wanderungen mit dem Kinderwagen zwischen Salzburger Land und Bodensee finden Sie im kleinen, sympathischen Wandaverlag der österreichischen Autorin Elisabeth Göllner-Kampel.


Was muss mit?

Wanderausrüstung für Familien

Für alle Touren im Hoch­gebirge sind Wanderschuhe notwendig, auch für Kinder. Auch bei den kürzeren Wan­derungen mit wenig Steigung im Voralpen­bereich sollten Kinder feste Schuhe tragen. Diese brauchen ein griffiges Profil und sollten über die Knöchel gehen, um genügend Halt zu bieten.

Am Berg scheint die Sonne besonders intensiv. Im Sommer ist ein gut sitzender Sonnenhut mit UV-Schutz und Sonnencreme unverzichtbar. In höheren Lagen gehört außerdem immer eine Jacke ins Gepäck – am besten eine wasserdichte. Wer einmal beobachtet hat, wie rasant im Gebirge Wolken aufziehen können und wie schnell es dann abkühlt, wird sie auch an einem warmen Sommertag nicht vergessen. Kurze Hosen sind bei den Kleinsten nicht so optimal. Selbst eine dreiviertellange Hose bietet besseren Schutz, sollte ein Stolperer auf steinigem Boden doch mal zum Sturz führen. Deshalb gehören auch Pflaster oder sogar ein kleines Erste Hilfe Set zur Standardausrüstung, wenn man in Begleitung von Kin­dern wandert – vielleicht ergänzt mit ein paar Blasen­pflastern. Im Frühjahr und Herbst sollte zusätzlich zur Regenjacke ein warmer Pulli (z.B. Fleece) in den Rucksack.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHungrige oder durstige Kinder laufen nicht gern. Auch wenn eine Einkehr geplant ist, braucht es immer ein paar leckere Snacks im Gepäck. Wo keine Hütte zu finden ist (Vorsicht, Almen sind oft nur während der Weidezeit von Juni bis Mitte September bewirtschaftet), kann man stattdessen ein Pick­nick einplanen. Auch eine gefüllte Wasserflasche gehört zur Ausrüstung. Im Sommer sollte man nicht zu knapp kalkulieren: 1 l Wasser für Erwach­sene und einen halber Liter pro Kind sind das Minimum.

Der Rest ist Kür: Manche Kinder finden es toll, einen eigenen Rucksack zu tragen. Die Wasserflasche passt hinein, eine Jac­ke oder vielleicht ein Kuscheltier, das unbedingt mit zum Ausflug muss und auch all die Steine, Zweige und Schneckenhäuser, die unterwegs unbedingt gesammelt werden müssen. Wichtig ist dabei nur, dass das Gepäck nicht zu schwer wird. Kinder bis 6 Jahre sollten nicht mehr als 1 kg auf dem Rücken tragen. Älteren Kindern sollte man zumindest den Transport von Wasserflaschen und Jacken übertragen, damit die Eltern nicht zu Last­eseln werden. Sie können dann auch ein Taschen­messer, den Fotoapparat oder ein Fern­glas einpacken. Für Kinder bis 9 Jahre sollte laut Informa­tio­nen des Alpenvereines das Gewicht des Rucksacks 3 kg nicht überschreiten, 12-jährige schaf­fen schon bis 5 kg.


DSC_0218Wanderstöcke
sind für die Eltern angenehme Hilfs­­­­mittel. Ich schätze sie vor allem beim Abstieg, wenn es mal etwas steiler wird oder auf rutschi­gen Schotterwegen. Auch bei feuchtem Wetter, wenn Wald- und Wiesenpfade nass und schmierig werden, sind Stöcke eine echte Hilfe. Trägt man ein Kind in der Kraxe, sind sie auf unebenen Wegen beinahe unverzichtbar. Kinder kommen meist ganz gut ohne zurecht, finden es aber toll, zwischendurch mit der Profi­aus­stattung der Eltern unterwegs zu sein. Mit etwas Phantasie wird ein Teleskop­stock auch zum Schlepp­­­­lift am Berg oder zum Pferdchen spielen verwendet. Alter­nativ sucht man einen Wander­stock im Wald. Ist das richtige Exemplar gefunden, wird er, mit Schnitzmustern verziert, zu einem ganz besonderen persönlichen Stück.

Wer mit Kindern am Wasser unter­wegs ist, sollte außerdem Kleidung zum Wechseln einpacken. So lässt es sich unbeschwert toben und balancieren, ohne dass ein Ausrutscher mit nas­sen Füssen das vorzeitige Ende des Ausflugs heraufbeschwört.